AusgangslageDer Pötschenpaß (993 m Seehöhe) stellt die Grenze zwischen den Bundesländern Oberösterreich und Steiermark dar. Die Salzkammergut Bundesstraße (B 145) ist hier gut ausgebaut und hat auf oberösterreichischer Seite zwei enge Kurven, die als Kehren bezeichnet werden. Die Kehre 1 (695 m) liegt bei der Bergfahrt nach rund einem Drittel der Fahrtstrecke und bildet auch gleichzeitig einen Aussichtspunkt auf den Hallstättersee. Die zweite Kehre liegt kurz vor der Passhöhe. In den letzten Jahren ist es immer wieder zu Unfällen auf der Passstrasse gekommen. Vor allem waren darin PKW verwickelt. Im Abstand von einigen Jahren kommt es aber auch immer wieder zu Unfällen mit LKW. Eine Häufung ergibt sich hier eindeutig bei der Kehre 1. Überhöhte Geschwindigkeit bildet hier einen Hauptgrund, dass die LKW umstürzen oder gegen die Böschung prallen. Einige Lenker konnten sich hier in der Vergangenheit nur durch ein Ausspringen aus dem fahrenden LKW retten. Im Winter ziehen oft hängen gebliebenen Fahrzeuge Feuerwehreinsätze nach sich. Situation zum UnfallszeitpunktAm 6. 5. 2003 herrschte im inneren Salzkammergut Schönwetter. Aufgrund der Föhnlage wurden Temperaturen von an die 30 Grad C erreicht. Die Verkehrsfrequenz war normal, es waren keine Behinderungen auf der Bundesstraße gegeben. Ein LKW, mit Schotter beladen, fährt um ca. 16.30 Uhr mit angehängtem Tieflader von der Passhöhe kommend, talwärts Richtung Bad Goisern. Vermutlich durch ein Bremsversagen wird dabei das Gespann immer schneller. Vor der nach rechts führenden Kehre 1 versucht der Lenker noch, den Kurvenradius durch eine Anfahrt über die Gegenfahrbahn zu vergrößern. Dies wurde im nachhinein durch vorgefundene Spuren und Aussagen ermittelt. Zur gleichen Zeit fährt ein LKW Sattelzug, beladen mit einem leeren Kühlcontainer, in die Kehre ein. In der Mitte der Kehre prallt der Schotter LKW auf Höhe des Drehgestells seitlich gegen den Sattelaufleger. Durch die hohe Geschwindigkeit bohrt sich das Führerhaus regelrecht in den Aufleger hinein und wird massiv deformiert. Der Sattelzug wird von der Fahrbahn in Richtung Böschung geschoben. Der LKW kippt zur Seite, die Schotterladung stürzt von der Ladefläche. Auf Grund des heftigen Anpralls wird das Kühlaggregat des Containers zerstört. Aus dem Aggregat und den LKW’s tritt Treibstoff aus. Unfallzeugen retten einen LKW-FahrerNachfolgende Verkehrsteilnehmer alarmieren sofort Rotes Kreuz und Feuerwehr über den Notruf. Drei Unfallzeugen laufen zur nur gering beschädigten Kabine des Sattelzugfahrzeuges. Darin liegt der Lenker, ein 39 jähriger Salzburger aus Oberalm, schwer verletzt über dem Lenkrad. Durch die eingeschlagene Windschutzscheibe und die Seitenfenster gelingt es ihnen, den Lenker aus dem Fahrzeug zu retten. Während dieser Rettungsaktion entzündet sich der ausgelaufene Treibstoff explosionsartig. Dadurch werden zwei der Retter verletzt und erleiden dabei auch Rauchgasvergiftungen. Auf Grund des sich rasch ausbreitenden Brandes ist ein weiteres Vordringen zum zweiten LKW, worin sich noch der Lenker befindet, nicht mehr möglich. Umfangreiche Löscharbeiten beginnenÜber die Landeswarnzentrale Linz wurde in der Zwischenzeit (16.32 Uhr)
Alarmstufe 1 für den Pflichtbereich Bad Goisern ausgelöst. Zwei sich zu
diesem Zeitpunkt in der Zeugstätte St. Agatha befindliche Feuerwehrmitglieder
fahren mit dem MTF sofort zur angegebenen ca. drei Kilometer entfernten
Unfallstelle. Auf Grund der vorgefundenen Lage wird sofort das Ausrücken
aller Feuerwehren des Pflichtbereiches veranlasst. Ein Problem stellt
vor allem die Versorgung mit Löschwasser dar, da erst in einer Entfernung
von ca. einem Kilometer eine Wasserentnahme aus einem Bach möglich ist.
Somit ist vor allem der Einsatz aller Tanklöschfahrzeuge von großer Wichtigkeit.
Vom kurz darauf eintreffenden Tanklöschfahrzeug (TLF-A 2000) der FF St.
Agatha wird mittels zweier HD-Rohre versucht, die weitere Brandausbreitung
zu verhindern. Die Besatzung des zweiten eintreffenden Tanklöschfahrzeuges
(SLF-A 4000) Bad Goisern setzt neben Hochdruck auch Mittelschaum über
eine Schnellangriffseinrichtung zur Brandbekämpfung ein. Durch die fortgeschrittene
Brandausbreitung sind Teile des Leichtmetallcontainers in der Zwischenzeit
bereits geschmolzen. Die Fahrzeugkabine des Schotter-LKW’s sowie die Kabine
der Sattelzugmaschine stehen zur Gänze in Brand. Durch die große Hitze
und die sich bildenden Verbrennungsgase wird von allen Angrifftrupps schwerer
Atemschutz eingesetzt. Der Brand hat sich in der Zwischenzeit auf die
Fahrbahnböschung und nahe Bäume ausgebreitet. Der weitere Löschangriff
wird durch die sukzessiv eintreffenden Tanklöschfahrzeuge (Bad Goisern:
RLF-A 2000, TLF-A 1200; Lasern: TLF-A 2000) unterstützt. Durch das GTLF
10.000 der FF Bad Goisern werden in der Folge die eingesetzten TLF’s gespeist,
sodass letztendlich rund 20.000 Liter Löschwasser zur Brandbekämpfung
verbraucht werden. Belastende Bergearbeiten für die FeuerwehrDer Schotter-LKW kann erst unter Einsatz von Seilwinden aufgerichtet
und vom Sattel-LKW weggezogen werden. Dadurch wird der Zugang zur Fahrerkabine
möglich. Dabei wird die bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche des
Lenkers (22) gefunden. Während der weiteren Bergearbeiten wird auch die
Leiche des Kindes gefunden. Wie die weiteren Ermittlungen der Gendarmerie
ergeben, handelt es sich dabei um den 11 jährigen Bruder des Lenkers.
Beide stammen aus Frankenburg/OÖ. Auf Grund der Deformationen der Fahrerkabine,
dürften beide Personen schon durch den Anprall ums Leben gekommen sein.
Eingesetzte Kräfte:
FF St. Agatha:
TLF, LFB-A2, MTF, LAST, 24 Mann Chronologie16.32 Alarm von Florian LFK |
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